Michael Buthe

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Bild: Ausschnitt aus Buthes Leporello-Tagebuch, das Ali K. Ben Marouf – so ist’s geplant – zur Vernissage nach Wettenberg mitbringen wird. (Foto: no)

Wenn journalistische Spurensuche auf dem Maghreb die bildende Kunst nicht ausklammert, führt sie früher oder später immer auch zu Michael Buthe; nachgerade dann, wenn man sich der Wegmarken des Kölner Künstlers und Musikers Wolfgang Niedecken bedient. Ausführlich darlegt ist dieser Aspekt in der Reportage „Federboa, Henna, Wachs und Wüstensand“, erschienen im Mai 2009 in Gießener Allgemeine / Wetterauer Zeitung aus Anlass zweiter posthumer Buthe-Ausstellungen „Der Engel und sein Schatten“ in Hamburg und in Remagen.Unvergessen von der Vernissage im Arp-Museum Rolandseck am Rhein der Beitrag von Oliver Kobold, des Niedecken-Biografen. Unter der Überschrift „Kunst ist ein Sprechen mit der Seele“ zitierte der Literaturwissenschaftler aus Süddeutschland zunächst den 1994 im Alter von gerade 50 Jahren verstorbenen Hochschullehrer und Künstler: „Die Störche sind die direkte Linie zwischen Marrakesch und Köln“. 1970 habe Buthe für einige Monate in einer traditionellen marokkanischen Stofffärberei gearbeitet. Ein Neuanfang, auch für seine Kunst, sei dies gewesen; mit Vielfalt der Farben Themen aus den Mythen des Orients. Später habe Buthe seinen Zweitwohnsitz nach Marrakesch. „Keine große Umstellung für einen, dem Köln schon immer die ‘südlichste Stadt in Deutschland‘ gewesen war, und, umgekehrt, auch im Neuen Spuren des Vertrauten fand: ‘Die ganzen jecken Typen da unten. Genau wie die Kölner auch. Leicht daneben. Marrakesch, das Köln der Nordafrikaner‘.“

Kobold schwenkte zu Niedeckens: In dessen „Paar Daach fröher“ (1993) sehe jemand an einem Herbstabend den Schwalben nach auf deren Weg Richtung Nordafrika. Andere BAP-Lieder verschickten Tagebuchbriefe aus Marokko, sagten: „Ich wünschte, du wärst hier und könntest das alles selbst sehen, was ich gerade erlebe.“ Sie erzählten von der wie eine Verheißung erscheinenden Überfahrt nach Tanger oder wollten den Moment anhalten mit Bob Dylans „Every Grain of Sand“ auf dem Dach des „Palais Salam“ in Taroudannt.

Dann dieser vortreffliche und vor allem zutreffende Satz: „Das konkrete Reiseziel Marokko verwandelt sich in einen mit persönlichen Erwartungen und Erinnerungen, mit subjektiver Energie aufgeladenen Ort jenseits des Alltags, wird ‚Marokko‘: Traumvorstellung, Ort des Atemholens, imaginierte Chance des Neubeginns.“ Um die Möglichkeit, im Winter dort arbeiten zu können, habe er Buthe immer beneidet, sagt Niedecken auch heute noch, dessen Marokko-Lieder so indirekt auch Buthes Bilderwelten eingedenk bleiben, Gruß sind an den fernen Maler-Kollegen oder, nach Buthes Tod, Erinnerung an einen Freund.

So, und jetzt müssen wir erst einmal den Soundtrack zum „Apropos“ auflegen: „Novembermorje“.

Und warum walzen wir das hier so aus? Ist doch kein „Apropos“ mehr, sondern ein veritabler Dreispalter fürs Feuilleton der Samstagausgabe …

Der Anlass ist so einfach wie – für unsere Verhältnisse – sensationell: „Headliner“ der „Marokko Momente“-Ausstellung und Ehrengast bei der Vernissage ist der Künstler Ali K. Ben Marouf aus Marrakesch (und aus Köln). Er war vor und während seines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf zehn Jahre lang Buthes Assistent, und er wohnt mit seiner Familie in dessen früherem Haus in der Medina von Marrakesch.

4. September 2016 / no.

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