„Al Halqa“

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Die Geschichtenerzähler auf dem Djemaa El Fna in Marrakesch sind seit Menschengedenken umringt von Zuhörenden, die eine „Halqa“ bilden; hier ein Bild aus 1973, als man dort auch noch sein Auto parken durfte.

Es gibt so schöne Zufälle. Und noch schöner ist es, sie im Ergebnis in so ein Ausstellungsprojekt wie „MarokkoMomente“ in Wettenberg einfließen zu lassen. Denk der Freunde rundum, der Weggefährten, auf die man bei so einer Spurensuche auf dem Maghreb nun einmal trifft oder deren Arbeit man im heimischen Alltag schätzt.
Beim jüngsten Besuch in Marrakesch auf Plakate und Handzettel gestoßen, die eine Ausstellung im Dar Bellarj bewarb: „Al Halqa“, von Thomas Ladenburger. Nach der Heimkehr ins Riad Johenna gefragt, was es damit auf sich habe – und dann nichts anderes machen können, bevor nicht am nächsten Tag die Schau in der zu einem Kunsthaus umgestalteten früheren Storchenklinik neben dem Marrekesch-Museum besucht und, wenn man so will, verschlungen war.

Ach was? Ladenburgers „Al Halqa“ war im Vorjahr schon in Berlin zu sehen. Jetzt also hier in Marrakesch, in der ursprünglichen Umgebung. Denn das Ausstellungs- und Filmprojekt dokumentiert die letzten Erzähler vom großen Platz, vom Djemaa El Fna.

Die Ausstellung führt diese immer noch lebendige marokkanische Kultur der Straße vor Augen, wie sie ähnlich in Europa bis ins 19. Jahrhundert durch das fahrende Volk der Gaukler und Sänger vertreten war. Dazu wird das Ensemble auf dem Platz Djemaa El Fna in einzigartiger Weise erlebbar gemacht. Das aufwändige Format mit großformatigen Fotodrucken und audiovisuellen Installationen sorgt für ein unmittelbares sinnliches Erleben. Hörstationen laden dazu ein, Geschichten im arabischen Original und deutscher Übersetzung zu hören, die bis heute nur mündlich überliefert worden sind und bislang noch nie schriftlich festgehalten wurden.

Aber dann ist da auch Ladenburgers Film „Al Halqa. Im Kreis der Geschichtenerzähler“. Und den bekommen wir hier bei uns im Oberhessischen zu sehen: Hans Gsänger und Edgar Langer vom Licher Kino „Traumstern“ zeigen ihn im Original mit deutschen Untertiteln am Sonntag, 2. Oktober, von 12 Uhr an –in Lich, nicht in Wettenberg! Ob Ladenburger, der Regisseur, zugegen sein kann, steht noch nicht fest.

Er könnte gewiss viel erzählen, denn vor rund zehn Jahren hatte er sich erstmals intensiv mit dem Platz und seinen Menschen beschäftigt. Etliche Produktionen sind daraus geworden, und einige Preise hat’s dafür gegeben.

Täglich findet dieses einzigartige Schauspiel statt auf diesem etwa 1000 Jahre alten Djemaa El Fna. Dort versammeln sich Einheimische und Durchreisende, Neugierige und Müßiggänger, um sich von den performativen Künsten der „Hlaiqi“, der Tänzer, Sänger, Akrobaten und Geschichtenerzähler begeistern und mitnehmen zu lassen. Ihre Darbietungen bilden ein Patchwork sich ständig erneuernder Traditionen, die mittlerweile zum „immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ gerechnet werden. Zwischen alle dem suchen die für den Moment allerletzten marokkanischen Geschichtenerzähler die Gunst des Publikums. In der Halqa, im Kreis der Zuschauer, scharen sie die Menschen um sich, um sie neugierig auf ihre Darbietung zu machen. Ihre Geschichten handeln oft von Königen, schönen Frauen, Versuchungen und Reichtum, von Bettlern, Dieben, Armut und Weisheit. Sie sollen unterhalten und lehrreich sein.

Übrigens: Die Ausstellung der Dar Bellarj Stiftung in Marrakesch hätte Anfang Mai auslaufen sollen. Der Zuspruch war so groß, dass man sie bis Ende November verlängerte. Bravo!

Also sehen wir uns im „Traumstern“.

Hier aber schon einmal: Danke Edgar, danke Hans, für Euer Zutun!

6. September 2016 / no.

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