Tata

Was ist das eigentlich – journalistische Spurensuche auf dem Maghreb? Eigentlich nichts anderes als des Zeitungsschreibers täglich Brot, das Zusammentragen von Fakten und die Meinungsbildung darüber. Nur eben „für den Moment“ nicht im angestammten Beritt, sondern auf einer Reise, in der Fremde, in einer anderen als der vertrauten Welt. Unter Menschen, die eine fremde Sprache sprechen, die anderen Glaubens sind, deren Lebensbedingungen sich von den unseren unterscheiden. Unter Menschen, die genau wie wir lachen und weinen, die Lust am Leben haben und gemeinhin Angst vor dem Tod. Die zu Real Madrid halten oder zum FC Barcelona oder – beglückend erlebt an einem langen Abend in Mirleft – zu Bayern München …Bei einer dieser moderaten Recherchen, im September 2001 war’s, erstmals in Tata gewesen, der seinerzeit nur voraussichtlichen Partnerstadt von Lich im Kreis Gießen. Telefonanruf beim Bürgermeister: Hier der Zeitungsmann aus Gießen … würde gern einen Bericht über den Ort machen.
Es wurde der Beginn einer … – nein, hier wollen wir keine abgenutzten Sprüche nachplappern.
Es wurde viel, viel mehr. Wurde ein Juwel in der Schatzkammer namens Raum der Erinnerung.
Etliche Male mittlerweile dort gewesen, immer weiter den Ort und die Menschen kennengelernt. Gewiss: Moulay Mehdi Lhabibi, der (jetzt ehemalige) Bürgermeister war und ist ein exzellenter Türöffner. Der Mann kennt die Mechanismen, füttert bei Bedarf eben auch einen Provinzjournalisten aus Oberhessen ab, wo er seinerseits gern gesehener Gast ist.
Tata – in den Marokko-Reiseführern bei uns nie viel darüber gelesen. Eben ein 18.000-Seelen-Nest ohne das, was man gemeinhin Sehenswürdigkeiten nennt. Aber selbiges gehört zum Reiz des Ortes: Marokko will entdeckt sein, es gibt sich einem nicht hin, sagt Tahar Ben Jelloun, der Schriftsteller. Im Gegensatz zu Marrakesch etwa gilt diese Formel hier tatsächlich.
Tata – da hängt mittlerweile Herzblut dran. Auf alsbald wieder, Inch Allah.
Auf einen Spaziergang durch die Palmengärten von Agadir Lehna. Auf einen Thé à la Menthe bei Latifa im Dar Infiane. Auf einen Besuch beim Ortsvorsteher im Douar Laayoune. Auf einen Abstecher zum neuen Flughafen mit Drei-Kilometer-Piste, den ein arabischer Emir finanziert hat. Oder zu Maryam in der Frauenkooperative. Schauen, wie die Poliklinik gedeiht und das Kulturzentrum. Auf den Souk gehen und am neuen Busbahnhof von den Rufen der Fahrkartenverkäufer nerven lassen. Am Fuß des Djebel Bani an Christel Jeschke denken, der die Licher ihre Partnerschaft verdanken und die dort einmal ein Klassikkonzert veranstaltet hat. Nicht zu vergessen, wie immer seither: Auf ein „Flag Special“ in einem versteckten Ausschank, dessen Lage hier nicht verraten sei.
Und überhaupt: Müssen mal wieder schauen, was die Dattelpalmen machen, die Wettenberger Freundinnen und Freunde mit uns 2005 bei Tammacht pflanzten. Das mit dem Palmenhain an dieser Stelle werden wir wohl nicht mehr erleben … aber vielleicht unsere Enkel. Wir sagen’s ihnen weiter.
9. September 2016 / no

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