Dokumentation + Pressespiegel

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Einführungsvortrag zur Vernissage am 24. September 2016 von Achim Schwarz-Tuchscherer

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Foto: Louise Månsson

„Marokko Momente“

(…)

Als ich anfing, mich ernsthaft mit der Sache zu beschäftigen, kam ich vom „Hölzchen auf Stöckchen“, von der Vielfalt beeindruckt. Das Aufspüren, Entdecken der vielen Facetten war sehr spannend, die Reduktion, den Sud herzustellen, ist mir zugegebener Maßen nicht leicht gefallen.

Was waren meine Informationsquellen? Eine außergewöhnlich gute Homepage, eine Date mit Norbert, Recherchen im Internet, die Ausstellung im Aufbau und viele Erinnerungen an eine wunderbare Marokkoreise vor fünf Jahren.

Mit dem Titel Marokko-Momente habe ich mich anfangs schwergetan. Momente als etwas Flüchtiges erschien mir unpassend. Bei der eingehenden Auseinandersetzung mit dem Thema hat mit die Idee immer besser gefallen. Seit gestern weiß ich, dass es einfach passt. Schauen Sie sich um. Sie sehen, hören, riechen, fühlen unzählige Momente, die zu einem Bild oder sogar Film werden. Es ist mehr als die Summe der einzelnen Momente oder konkret der vielen Einzelkunstwerke daraus geworden.

Ich möchte mich von verschiedenen Blickwinkeln an diese Ausstellung herantasten. Ich beginne mit Marokko.

Es Ist das afrikanische Land, das unserem Kontinent geografisch gesehen am nächsten ist. Gerade mal 14 Kilometer Wasser liegt zwischen Spanien und Marokko. Ungefähr so weit wie von Wettenberg nach Lich. Marokko ist das westlichste Land der Maghreb-Staaten, zu denen noch Algerien und Tunesien zählen.  Was verbindet diese drei Staaten wiederum? Sie waren von Frankreich annektiert und sind spätestens seit 1961 wieder autonome Staaten. Daraus resultiert, dass man in diesen Ländern Französisch nach wie vor als Handels-, Bildungss und zweite Amtssprache spricht. Man kann also auch mit relativ geringen Sprachkenntnissen dieses Land bereisen und dort zumindest über die einfachen Dinge des Lebens parlieren.

Was macht Marokko oder die Maghreb-Länder zum Reisen für Künstler so spannend, so eindrucksvoll?

Inspiriert von melancholischen Palmen, den zauberhaften Farben des Himmels, dem riesigen Vollmond hat Paul Klee, 1914 in Tunesien weilend, folgende Sätze in sein Tagebuch geschrieben: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und die Farbe sind eins. Ich bin ein Maler.“

Ich glaube, dass wir Westeuropäer, in einer rationalen, monetär- und digitalorientierten Welt lebend, eine Sehnsucht nach Geheimnisvollem, Sinnlichen und Ursprünglichem haben. Das begegnet uns in den Ländern des Maghreb, in Städten wie Marrakesch, Fes, Essaouira, in der Wüste, im Atlasgebirge.

Die Künstler

Ali K.Ben Marouf – Konnektion Niedecken, Kunstprof. Michael Buthe, dessen Schüler und Assistent an der Kunstakademie Düsseldorf. A.R. Penck. Geboren in Fes, mit seiner Familie in Marrakesch lebend sowie hin und wieder in Köln. Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Michael Buthe und als Meisterschüler bei A. R. Penck. Erste Ausstellung 1993 im Rahmen der Biennale Venedig, darauf folgten ungezählte Ausstellungen in Deutschland, Marokko, Tunesien, Frankreich den Niederlanden.

Seine Bilder sind gemalt, gezeichnet, montiert, geklebt, im Grenzraum zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ein Maler der uns Geschichten erzählt, die wir als Betrachter selbst erfinden müssen. Sind es Landschaften, Städte, Häuser, Wasser, der Himmel. Fragmentarisches und scheinbar zufällig Gefundenes werden eingefügt, manches Mal belassen oder übermalt.

Angezogen haben mich diese sieben kleinen Bilder auf Holz . Der Bildgrund hat die Form einer Tür oder eines Schlüsselloches. Farbige, voneinander abgegrenzte Flächen, auf denen auf den zweiten Blick kleine, konkrete Dinge, eine Palme, ein Auge, der Himmel, der Mond, zu erkennen sind. Für mich sind sie wie Schlüssellöcher, durch die ich in eine andere phantastische farbige Welt schauen kann.

Michael Ackermann

Michael ist Gründungsmitglied des KuKuk. Seinem ursprünglichen Beruf als Schriftsetzer konsequent zählen zu seinen bevorzugten Techniken und Arbeitsweisen Zeichnungen mit Kohle, Blei, Pastell, Tusche und in Öl, die Acrylmalerei, Collagen und Mischtechniken sowie Frottagen und Monotypien mittels Handdrucktechniken. Michael war 2008 und 2013 in Marokko und weilte in Marrakesch und Esssaouira. Die hier gezeigten Arbeiten sind zum großen Teil auch in Marokko entstanden. Es sind Kohlezeichnungen, kolorierte Zeichnungen und Drucke.

Seine grafischen, zum Teil kolorierten, Arbeiten geben mit leichten scheinbar einfacher Strichführung  Ausdruck von engen und verwinkelten Straßen und Stadteinsichten, von Licht und Schatten und spiegeln für mich in reduziert verdichteter Form die herrliche Ästhetik dieser Welt.

Seine Drucktechnik ist aus meiner Sicht außergewöhnlich. Er arbeitet mit Styroporplatten, die er in einer aufwendigen Form zuerst bezeichnet und anschließend ausschneidet. Das Styropor wird anschließend entweder einfarbig – hier weiß – oder farbig eingewalzt und dann auf schwarzen Karton gedruckt. Der Druck ist eine Monotypie.

Bei diesen Drucken geht es im nicht darum, eine wirkliche Stadtansicht darzustellen. Das Spiel mit den grafischen Strukturen steht im Vordergrund.

Bodo W.Klös

Zeichner, Grafiker, Musiker, Frankophiler, Filigrantechniker. Seine Arbeiten gleichen einer überaus bunten Palette. Raben, Portraits insbesondere von Musikern seiner Generation, üppig erotische Szenen. Norbert hat es auf der Homepage „Mit Wein, Weib und Gesang“ beschrieben, eine bessere Beschreibung fällt mir nicht ein. Handwerklich ein Meister seines Faches. Aus allen seinen Bildern spricht für mich die Lust am Leben.

Er zeigt uns ein Triptychon: Jimi Hendrix, ein typisch arabisches Ornament, nur scheinbar unfertig gemalt, und ein Gemälde von „Castles made of sand“ an der Atlantikküste von Essaouira. Hendrix schrieb das Stück in 1967, in Essaouira soll er 1969 gewesen sein. Dennoch hat sich das Mythos erhalten, er habe es dort geschrieben. Für mich ein schönes Beispiel für ein Land, in dem das Geschichtenerzählen und das Leben in Geschichten einen hohen Stellenwert haben.

Unbedingt erwähnen möchte ich die Rolle von Bodo W.Klös als Projektbeschleuniger von Marokko-Momente.  (…)  Danke für die Horizont-These. Wissen wir was in zwei, drei Jahren mit uns los ist?

Helgrit Völpel

Bildhauerin aus Krofdorf-Gleiberg, arbeitet vorwiegend mit Ton, Papier, Draht und Kleister, Bronzegüsse. Lieblingsmotive Rosen und in den letzten Jahren immer mehr menschliche Köpfe. Ihre „Marokko Momente“-Exponate zeigen uns modellierte Köpf, die auch das aktuelle Thema Flucht/Flüchtlinge abbilden. Menschen, deren Physiognomien aber auch Kopfbedeckungen zeigen, dass sie aus andren außereuropäischen Kulturräumen stammen.

Ihr geht und geht es um den Ausdruck, um Emotion und Stimmung, um den Blick von Menschen in schwierigen, unsicheren Lebenssituationen. Ich bin tief beeindruckt über die Lebendigkeit, die diesen Skulpturen innewohnt. Ihre nachdenklichen „Köpfe“ schauen uns an und ziehen unsere Blicke über den Augenkontakt an.

Hasna, die freundliche Marokkanerin, die uns mit einem feinen Lächeln in dieser Ausstellung begrüßt, hat sie nach einem Foto von Norbert modelliert.

Bobcar Jaafari

Die Arbeiten des marokkanischen Künstlers Bobcaar Jaafari stammen aus der Sammlung der Reiseliteratur-Autorin Erika Därr (http://www.daerr.info/) Bobcar hat diese eher folkloristisch anmutenden Zeichnungen in den 1970er Jahren der Reiseführer-Autorin geschenkt zur Illustration ihrer damals noch nicht durchgehend farbig gedruckten Bücher. In Wettenberg ist eine Auswahl als Leihgabe zu sehen. Mit den klaren Linien der Kaltnadel zeigt er uns sehr typische Szenen, Alltagsmomente der marokkanischen Lebenswelt.

Norbert Schmidt

Er ist der Begründer dieses Projektes. Auf der Homepage http://www.marokkomomente.com berichtest Du von der „Jugendliebe“ Marokko, die Dich immer wieder und immer noch in ihren Bann zieht.  Diese Liebe gepaart mit Deiner Lust am künstlerisch kreativen Schaffen, mit Deiner Kunst Dich mit Menschen zu vernetzen, sie zu begeistern, aber auch Dich selbst begeistern zu lassen, ist der rote Faden von Marokko-Momente. Er zeigt sich in dieser ungeheuer vielfältigen Ausstellung.

Als Künstler (oder Kreativer) drückst Du mit Deinen Fotografien, inszenierten Bildern, Assemblagen, Montagen, Übermalungen, Fundstücken und Aquarellen dieser Ausstellung auch Deinen Stempel auf. Du lässt uns teilhaben an Deinen Reiseeindrücken, Deine Erfahrungen mit den Menschen, Deiner Lust, Deinen Gedanken, Deiner Sinneseindrücke.

Deine Freunde Dr. Helmut Schmidt und Gerhard Schlatter haben dich in wunderbarer Form unterstützt: Der wohlriechende Minzegarten mit 7×7 Pflanzen auf einem Quadratmeter vor der Tata-Ansicht zeigt gleichzeitig die Landesfarben Marokkos. Gerhard hat 350 Fotos – zu 7 Themen mit 7×7 Fotos die jeweils 7 Sekunden gezeigt werden – destilliert.

Hat diese Ausstellung auch eine aktuell politische Dimension? Nachdenklich gemacht hat mich „Der oder die Erschöpfte“ im Internet bei marokkomomente.com. Ich zitiere: Ihr Name muss an dieser Stelle nicht genannt werden: Uns ist er bekannt, so wie die Person, die diesen Namen trägt und die uns mit ihren Ratschlägen, ihren wirklich sinnigen Büchern, schon oft geholfen hat bei der Spurensuche auf dem Maghreb. Wir hätten sie gern dabei gehabt bei „Marokko Momente“, als Erzählende, als aus dem Leben das Bedeutsame Weitergebende. War leider nicht. Sie ist ein wenig erschöpft – und das kann man nachvollziehen in Zeiten wie diesen. Denn ihr Metier ist der kulturelle Diskurs – ist der Kulturschock, den man erleiden kann, wenn „das Andere“ dann doch vehementer kommt als gedacht. Andererseits bin ich sehr erschöpft zurzeit. Natürlich vor allem, weil ich einfach mehr Arbeit habe, als ich schaffen kann. Aber auch von den ganzen unsäglichen Diskussionen: Flüchtlinge, Kölner Silvesternacht, Islamphobie…

Ich denke die Ausstellung kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Zu einem Zeitpunkt, an dem Abgrenzung, Abschiebung, kulturelle Homogenität Schwarzweißdenken Konjunktur haben, ermöglicht Ihr Künstler, Kreative, Kunstwerker uns einen differenzierenden Blick in einen anderen sehr schätzenswerten Kulturraum

(…)

Ich komme zu Schluss. Lieber Norbert, Du bist auch der Begründer, der Ideengeber, der Schaffer, der Vernetzer, der Ausstellungsmacher, Du hast mit deiner Schwiegertochter Louise Mansson diese ungeheuer spannende dynamische Homepage aufgemacht, nutzt das soziale Medium Facebook. Mit dem Programm in den nächsten drei Wochen wird die Ausstellung um wichtige literarische, geografische, musikalische, dokumentarische Facetten ergänzt.

Aus meiner Sicht ist – im Beuys‘schen Sinne – daraus auch eine Soziale Plastik geworden. Im Sinne von Fluxus – das Fließende. Ein Projekt, das in seinem Verlauf an sozialer Dynamik, an Ausdehnung und Tiefe gewonnen hat. Ich bin gespannt was noch daraus wird.

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