IDEE + KONSTRUKTION

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1973 – Blick —aus dem Hotel „Oukaimeden“ auf den Platz in Marrakesch, wo weiland auch noch der Busbahnhof war.

DIE IDEE

Der Journalist Norbert Schmidt aus Wettenberg bei Gießen war 1973 erstmals als Reisender in Marokko; seinerzeit gefühlt in den Spuren der „Kinder von Torremolinos“. Die Stationen: Tetouan, Fes, Marrakesch, Essaouira, Tanger.
Nach einigen Jahren des Reifens nahm er den Faden dieser „Jugendliebe“ wieder auf – und spann ihn weiter. Daraus wurden etliche Begegnungen mit Marokko und mit den Menschen vom Maghreb – dort ebenso wie hier in Deutschland.
Nicht zu unterschätzen hierbei die Rolle der bildenden Kunst und der Literatur. „An Delacroix gedacht, an Buthe, an Matisse, Paul Bowles und Burroughs“, heißt es in „Rövver noh Tanger“, einem Schlüsselwerk des Kölner Rock-Musikers und Künstlers Wolfgang Niedecken („BAP“), dessen Arbeit im Atelier und im Studio sowie auf der Bühne über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg auch von der Faszination Marokko geprägt war. Bei den Reisen des journalistischen Spurensuchers war das „W.N.“-Oeuvre ein bedeutungsvoller Impulsgeber.

„… er vermittelt dem Betrachter (der nicht selten auch einer der Konzertbesucher ist) die Aufforderung, im eigenen Leben endlich der ganz individuellen Kreativität Ausdruck und Raum zu geben, dem persönlichen Empfinden. Nicht Zeit verstreichen zu lassen mit dem Resultat, dass man sich eines fernen Tages weinend eingestehen muss, sie nicht noch einmal verfügbar zu haben.“ Mit dieser sehr eindeutigen Feststellung endet der (no)-Bericht über eine Niedecken-Werkschau 1994 im Kölnischen Stadtmuseum.

Ein Ergebnis davon: Mehr als Dutzend Marokko-Reportagen veröffentlichte Norbert Schmidt im Feuilleton von Gießener Allgemeine / Wetterauer Zeitung. Darunter „Essaouira. Niedeckens alte Liebe am Atlantik“ und „Federboa, Henna, Wachs und Wüstensand“. Jeweils im Nachgang zu Reisen und/oder Begegnungen mit Marokko-Protagonisten geschrieben und veröffentlicht.

Ein weiteres Ergebnis ist dieses Ausstellungsprojekt im September/Oktober in Wettenberg. An dieser Stelle kommt der Bessinger Maler, Grafiker und Zeichner Bodo W. Klös ins Spiel: „Es ist so modern und zeitgemäß, hinter den Horizont zu gucken, hinterm Horizont zu suchen. Jetzt denke ich gerade: Vielleicht sollten wir erst mal vor dem Horizont klar Schiff machen.“
Ergo: Aufräumen, sortieren und eine Auswahl davon anderen zur Anregung unterbreiten – um selbst wieder Platz zu haben auf der emotionalen Festplatte für neues Erleben, das dann Erinnerung werden kann im nächsten Lebensabschnitt.


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 DIE KONSTRUKTION

„Marokko Momente“ ist der Versuch einer Annäherung an ein faszinierendes Land samt seiner Menschen und deren Kultur mit den Mitteln des Journalismus und der Kunst, mit Worten und Bildern – Malerei, Zeichnung, Fotografie, Grafik -, Werkstücken und Fundsachen, mit Literatur und Sozialwissenschaft, mit dem Film und mit Lichtbildreihen sowie mit Druckwerken und dieser Homepage.

Beteiligte Künstler und Kreative sind Ali K. Ben Marourf aus Marrakesch, Michael Ackermann aus Wettenberg, Helgrit Völpel aus Wettenberg, Bodo W. Klös aus Bessingen und Bobcaar Jaafari aus Agadir (Sammlung Erika Därr) und Norbert Schmidt, zudem dessen Freunde Helmut Schmidt (Installation „aroc“) und Gerhard Schlatter (Lichtbildreihen, Drucke), nicht zu vergessen „la belle-fille“ Louise Månsson (marokkomomente.com). Frank Göhre aus Hamburg liest aus seiner Literaturcollage „Hotel Marrakesch“, der Geograf Prof. Dr. Anton Escher von der Uni Mainz erzählt aus und über seine Marrakesch-Erhebung „1001 Fremder im Paradies?“, das Licher Programmkino „Traumstern“ zeigt Thomas Ladenburgers Film „Al Halqa. Im Kreis der Geschichtenerzähler“. Und geklappt hat es auch noch, am letzten Ausstellungstag „Marokko. Wortbilder, Klangbilder und ein Thé au Sahara“ ins Programm zu bekommen mit den Musikern Peter Ehm, Stefan Schneider und Burkhard Wissemann. Die Journalisten Marina Gust und Norbert Schmidt stellen Bücher zum Thema der Ausstellung vor, lesen aus einer von Lucien Leitess (Unionsverlag) unterbreiteten Literaturauswahl.

Der zu Beginn des Bastelns am Ausstellungsprojekt „Marokko Momente“ verwendete Untertitel „Sieben Reportagen“ ist für die Konstruktion eine Art Richtschnur geblieben, aber kein Dogma.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 24. September an bis zur Finissage am 16. Oktober auf jenen 300 Quadratmetern Fläche eines früheren Lebensmittelgeschäftes mitten in Wißmar, die dem Wettenberger Kunst- und Kultur-Kreis „KuKuK“ seit zehn Jahren als Präsentations- und Veranstaltungsraum dienen.
Dort finden auch die Einzelveranstaltungen statt. Ausnahme hier: Filmpräsentation ist im Licher Kino „Traumstern“.

Öffnungszeiten der Ausstellung unter dem Menüpunkt Das Programm.

Veranstalter dieses Ausstellungsprojektes, das unbedingt zum interkulturellen Verstehen beitragen sowie den Wohn- und Lebenswert im Gießener Land bereichern soll, sind der Kunst- und Kultur-Kreis / KuKuK eV Wettenberg und die Deutsch-Französische Gesellschaft Wettenberg eV.
Zur Finanzierung tragen ganz maßgeblich Kultursponsoren aus der heimischen Privatwirtschaft bei.

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(no)- Besuch bei dem deutschen Maler und Schriftsteller Hans Werner Geerts (1925-2013) in dessen Haus in der Medina von Marrakesch, in dem er von 1963 an lebte. Letztlich wurde daraus eine Titelgeschichte für das „Wochend“ der Gießener Allgemeinen/Wetterauer Zeitung (Siehe Reportagen).
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