KÜNSTLER + KREATIVE

KÜNSTLER + KREATIVE

ALI K. BEN MAROUF

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Ali K. Ben Marouf (Foto: No. Schmidt)
Dass der in Köln und Marrakesch beheimatete Ali Ksiouar Ben Marouf, ein gebürtiger Fassi, beim „Marokko Momente“-Ausstellungsprojekt dabei ist, verdanken wir in letzter Konsequenz den Begegnungen mit Wolfgang Niedecken. Der Kölner Künstler und Rock-Musiker („BAP“) war ein Freund des Kunstmalers, Bildhauers und Collageurs Michael Buthe (1944-1994), begleitete 1989 dessen Stuttgarter Ausstellung „Primavera Pompeijana“ im Württembergischen Kunstverein musikalisch, widmete ihm den Nachruf „Novembermorje“, von dem in der Reportage „Federboa, Hennah, Wachs und Wüstensand“ die Rede ist – und er machte uns mit Ali K. Ben Marouf bekannt. Der war einerseits an der Kunstakademie Düsseldorf Schüler und Assistent bei Prof. Buthe (und Meisterschüler bei Prof. A. R. Penck) und er ist ein Freund von Rhani Krija aus Essaouira, dem in Köln verheirateten Weltmusik-Percussionisten, Bandmitglied bei Sting, Peter Gabriel … – und Niedecken. Wenn er nicht gerade bei seinen Stiefeltern in Köln-Nippes ist, wohnt Ali mit seiner Familie im Derb El Hammam in Marrakesch, im früheren Haus von Buthe! (Dass gleich nebenan seit Mitte der 1960er Jahre der Kunstmaler Hans Werner Geerts zu Hause war, ist zwingend anzumerken, aber wiederum eine ganz andere Geschichte / Siehe: Reportagen)

Ali K. Ben Marouf, geboren in Fes, wuchs im Land des Lichts und des Sonnenuntergangs auf, in Maghreb al Aksa, in dem sich dem Reisenden erstaunliche Gegensätze offenbaren, das so viele Künstler aus aller Welt in ihrem Schaffen inspirierte. In seinen Bildern offenbaren sich Bezüge zum marokkanischen Alltag: Gegenstände, Zeichen und Symbole verbinden sich im Fluss mit kräftigen Farben zu neuen, ungewöhnlichen Welten. Die Bilder künden von einer phantasievollen Märchenwelt. Einfachste Dinge, ungewöhnliche Materialien, Fundstücke wie Spiegel, Fotografien, Holzstücke, Stoffe oder Steine erfahren durch die Fügung ins Bild eine andere Deutung. Freilich verwendet Ali auch Zeichen aus der Welt der marokkanischen Mystik, der „religiösen Magie“ und aus dem uralten Volksglauben der Menschen – gerade Auge und Hand. Kuratorin Naima Salam formulierte 2010 für einen Ausstellungskatalog: „Die Bildperspektive erinnert an die typische Miniaturmalerei, die keine Bildtiefe kennt. Alle Merkmale bewegen sich auf einer Ebene, stehen gleichzeitig und gleichwertig neben- und zueinander. Auch dadurch entsteht der Eindruck intensiver Bewegtheit, denn die Augen des Betrachter spüren den Bezügen der einzelnen Elemente nach – und verbinden sie zu immer neuen Geschichten.“

Und im Kalender zur Ausstellung „Histoires retrouvés“ (2008/09, Galerie Gecko, Solingen) lesen wir von Werner Krüger: „Ali Ksiouar Ben Maruf ist einer der Poeten unter den Malern; Poet in genau dem Sinne, wie ihn Giuseppe Ungaretti, der aus Alexandien gebürtige italienische Dichter, versteht: Schatten und Wasser, das ist das Motiv der arabischen Poesie. Völker, die immerwährend auf dem Weg sind, gepeitscht von Durst und von Sonne – für sie ist die Liebe, zwischen Büschen und Oleander, eine abendliche Kehle von girrendem Quellwasser.“ Zum Verlieben sei Alis Gefühl für farbe, das er ähnlich nuancenreich, rauschhaft, selbstsicher laufen lasse wie sein Lehrer Michael Buthe.

Ali Ksiouar Ben Marouf bestritt etliche Ausstellungen, darunter eine mit Buthe 1997 in der Galerie Ott in Düsseldorf, eine im Marokko-Pavillon bei der Expo 2000 in Hannover, mehrere in der Solinger Galerie Gecko, die Schau „Köln – Marrakesch“ in der ArtLad-Galerie in Köln sowie „Kantara Mina el Alwan“ in der marokkanischen Botschaft in Berlin.

Der Künstler ist bei der Vernissage von „Marokko Momente“ zugegen. Angestrebt wird eine gesonderte Veranstaltung mit ihm im Rahmen der Reihe „KuKuK Kunstgespräche“.

Zu sehen von ihm sind unter anderem:

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„Le roi est vivant“ / Acryl auf Pappe

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Mein Leben / Ma vie (132×183 cm/Acryl auf Leinwand)

… und ein bisschen was von Buthe bringt der Gute auch noch mit nach Wettenberg.
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MICHAEL ACKERMANN

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* 1953 in Osnabrück, erlebte seine ganz persönlichen Marokko-Momente in Marrakesch und Essaouira. Zu einer Studienreise an diese emblematischen Orte hat ihn seine Frau Cornelia Hollaender „verführt“. 2008 mit dabei war die Ostberliner Künstlerin Ursula Strozynski. 2013 gab es eine weitere intensive Woche in Marrakesch mit einem Abstecher über den Hohen Atlas bis Aït-Ben-Haddou.

Auf beiden Reisen führte Michael Ackermann sein „zeichnerisches Tagebuch“ im Format 40 x 40 Zentimeter, legte zudem farbige Arbeiten in dieser Größe an. Im gemeinsamen Atelier in Wettenberg entstanden später weitere Arbeiten in größeren Formaten.

Gegenwärtig arbeitet Ackermann auf Basis der Zeichnungen von damals an „Marokko-Phantasien“ im Handdruckverfahren. Diese mehrfarbigen Monotypien auf schwarzem Karton verknüpfen typische architektonische Motive und Strukturen des alten Marrakesch zu phantasierten urbanen Szenerien. Diese Arbeiten sind circa 80 x 120 Zentimeter groß.

Michael Ackermann ist Gründungsmitglied im Kunst- und Kultur-Kreis Wettenberg

Vita: Ausbildung zum Schriftsetzer (1970-1973), seitdem Auseinandersetzung mit Gestaltungslehre in Typografie und Bildfindung; erste Zeichnungen mit Graphit und Tusche. Seit 1983 (bis 2012) Redakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift »Kommune – Forum für Politik, Ökonomie, Kultur« in Frankfurt/Main, dort verantwortlich für Gestaltung und technische Abwicklung. Seit 1987 Umschlaggestaltung für den Vervuert Verlag, Frankfurt/Madrid. 1985 Malunterricht bei Städel-Absolvent Harald Jacob in der Provence. 1999 bis 2009 »Sommer-Akademie« in Marburg, bei Ursula Strozynski (freie Künstlerin, Berlin), Kerstin Seltmann (freie Künstlerin, Berlin), Burgi Scheiblechner (freie Künstlerin, Marburg). Atelierhaus zusammen mit Cornelia Hollaender in Wettenberg bei Gießen. Seit 2014 Mitglied im Künstlerbund Heilbronn.

Zu Ackermanns bevorzugte Techniken und Arbeitsweisen zählen Zeichnungen mit Kohle, Blei, Pastell, Tusche und in Öl, die Acrylmalerei, Collagen und Mischtechniken sowie Frottagen und Monotypien mittels Handdrucktechniken.

Ausstellungen bestritt er unter anderem in Osnabrück (1999/2000), in der Bürgermeisterei in Krofdorf-Gleiberg (2001/02), in der Galerie im Alten Bahnhof Gemünden (2002/03), in der Galerie im Rathaus Linden (2003), in Sorgues/Provence (2003, Gruppenausstellung Wettenberger Künstler), im Forum Gießen (2003), im Anwaltsbüro Ernst, Kistner, Knoblauch, Krutzki in Frankfurt/Main, in der Gemeinschaftspraxis im »Ökohaus« in Frankfurt (2004/05), mehrfach in der Kunst- und Kulturhalle „im KuKuK“ Wettenberg (2007 u. a.), bei Kunst im Martinshof in Gießen (2013), im Kunstverein Heilbronn (2014, Gemeinschaftsausstellung), beim Böblinger Kunstverein (2015, Gemeinschaftsausstellung), beim Künstlerbund Heilbronn (2015, neue Mitglieder-Ausstellung) sowie im Spiegelslustturm Marburg (2015).

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BODO W. KLÖS


Der Maler, Zeichner und Druckgrafiker Bodo W. Klös ist ein Bessinger durch und durch, also ein Mann aus dem Herzen der Natur inmitten des Gießener Landes – und gefühlt dazu noch ein halber Franzose. Das Licht der Welt erblickte er vor 63 Jahren. Volksschule, Realschule, dann neben dem erlernten handwerklichen Beruf Abendgymnasium und die Erkenntnis, ein ausgeprägtes Zeichentalent zu haben. 1982/83 Academie de gravure in Cabris/ Südfrankreich bei Magdalena Mannarini – erste Ausstellungen, unter anderem in Gießen und in Frankfurt, zudem erste Radierwerkstatt. Diese Filigrantechnik des Abbildens wurde seine Leidenschaft. Hier und in Frankreich, wo er von der ausgehenden Jugend an immer wieder Inspiration findet. 2010 Auszeichnung der Gesellschaft für Originalgrafik, Paris.

Ehefrau Birgit ist ihm auch im Beruf Vertraute und Partnerin, kümmert sich um Verlag und Galerie. 1994 gründeten beide die »edition noir«, waren damit erst in Lich ansässig, 2004 gingen sie nach Nieder-Bessingen – und alljährlich sind sie auf den beiden großen deutschen Buchmessen vertreten. Bis in die Gegenwart hinein bestritt Bodo Klös im In- und Ausland rund 120 eigene Ausstellungen sowie etwa 100 gemeinsam mit befreundeten Künstlern.

Die Stränge des Klös’schen Œuvres könne man unter dem Titel »Wein, Weib und Gesang« verknüpfen, sagt Wolfgang Grätz, Grafikverleger der Büchergilde Gutenberg, wenn man das Krächzen des von ihm oft portraitierten Raben als Entäußerung eines Singvogels werte. Immerhin ist der Bessinger Künstler mit der Lust am prallen Leben bekanntlich auch passionierter Gitarrenspieler (mit Band-Geschichte) und ein ausgemachter Dylanologe.

Und was hat das mit Marokko zu tun? Auf den ersten Blick wenig. Aber wenn man den in Essaouira gepflegten Hendrix-Mythos betrachtet, kommt man der Sache schon näher. Dann sind da ja auch noch die Erinnerungen an die Beatniks, an die Generation Burroughs in Tanger. Zudem lieferte Klös mit seiner Horizont-These einen wichtigen Impuls zur „Marokko Momente“-Ausstellung.

Hier gibt’s mehr von ihm.

Abbildungen zu seinen Arbeiten folgen zu gegebener Zeit an dieser Stelle; hier mal ein kleiner Klös-Vorgeschmack in Sachen Hendrix

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NORBERT SCHMIDT

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* 1953 in Krofdorf-Gleiberg bei Gießen, ist hauptberuflich Journalist, arbeitet seit 1980 als Redakteur bei der Gießener Allgemeinen Zeitung. Bei ihm suchte sich die Kreativität in Sachen Kunst und Gestaltung eigene Wege: Statt nach der 1970 begonnenen Schriftsetzerlehre und dem nachgeholten Abi Grafik und Design zu studieren, landete er 1976 bei den Oberpfälzer Nachrichten. Alle möglichen journalistischen Formen des „Abbildens“ in Wort und Illustration (Foto) wurden sein Ding als „Zeitungsmacher“.

Erste ausgiebige Begegnung mit Marokko im Sommer 1973. Wieder geweckt wurde die Maghreb-Sehnsucht in den 1980er Jahren – unter anderem durchs beiläufige Musizieren sowie den Einfluss von Kunst, Literatur und die Lyrik des Kölner Rockmusikers Wolfgang Niedecken (BAP). Wie sich all dies entwickelte, nachgerade mit gedruckten Veröffentlichungen, ist unter anderem unter dem Menüpunkt Die Reportagen nachzulesen.

Schmidt sieht sich nicht als Künstler und sagt, er sei allenfalls ein Kreativer, ein Sammler von Momenten, Begegnungen und Eindrücken.

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Marokko Momente“ in Wettenberg zeigt er unter anderem sieben Großformate unterschiedlicher Technik, sieben kleinere Aquarelle und sieben Fotoreihen zu sieben Marokko-Themen. Letztere kompositorisch und IT-kompetent inszeniert von Gerhard Schlatter aus Wettenberg. Zudem fertigt Dr. Helmut Schmidt als – neben der Medizin – passionierter Schreiner und Gärtner „m²aroc“, einen 7×7-teiligen, sehr armomatischen Quadratmeter Marokko.

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HELGRIT VÖLPEL

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Zuletzt machte sie beim Gießener Freiluft-Kunstspektakel »Fluss mit Flair« auf ihre bezaubernden Arbeiten aufmerksam – Büsten, Darstellungen von Köpfen und Gesichtern, von Menschenskindern. Gefertigt aus Pappmachée, modelliert aus weißem oder erdfarbenem Ton und dann gebrannt, oder – quasi die Königsklasse – in Bronze gegossen. In Krofdorf-Gleiberg ist Helgrit Völpel schon lang bekannt als begnadete Bildhauerin. 

 Als ihre Kinder in die Grundschule gingen, und das ist eine ganze Zeit her, war sie gerngesehener Gast im Kunstunterricht. Mit den Kleinen fertigte sie aus Draht, Papier und Kleister plus Farbe Drachen, Ritter, Bremer Stadtmusikanten, eine Spaßspinne und Flaschenkatzen. Für ein Fachgeschäft modellierte sie überdimensionale Schuhe, für den Renteneintritt der lokalen Einzelhandelsikone Josef Kindler dessen Abbild (das jetzt im Heimatmuseum steht), und selbstredend war sie in Krofdorf-Gleiberg für Fastnachtszug-Motive verantwortlich.

Wo und wie das anfing, weiß Helgrit Völpel ganz genau: Als kleines Kind habe sie gern mit Knetmasse Figuren geformt, beispielsweise Tiere – ersatzweise auch mit dem weichen Inneren eines Brotlaibes. »Das war und ist eine Gabe, die einfach verfügbares Talent«, sagt sie auf die Frage, wo sie das denn gelernt habe. Nicht in der Schule, nicht in Kreativkursen.

Vor 15 Jahren entdeckte sie Rosen als neue Leidenschaft – jene, die bei ihr so üppig im selbst gestalteten Garten blühen, und jenen, die man aus Ton formt und brennt. Diese Blume habe eine ganz eigene Ästhetik, sagt sie. Völpel hält »die Unperfektesten« unter ihren Rosen für »die Perfektesten«. Auf die folgte die nächste Herausforderung, die plastische Darstellung von Menschen, vornehmlich von deren Köpfen, deren Gesichtern. Ihr ging und geht es um den Ausdruck, um Emotion und Stimmung, um den Blick.

Ihre „Marokko Momente“-Exponate, die auch das aktuelle Thema Flucht abbilden, legen von alle dem beredt Zeugnis ab.

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BOBCAR JAAFARI

Die Arbeiten des marokkanischen Künstlers Bobcaar Jaafari stammen aus der Sammlung der Reiseliteratur-Autorin Erika Därr (http://www.daerr.info/). Er hatte ihr die mithin etwas folkloristisch anmutenden Zeichnungen in den 1970er Jahren geschenkt zur Illustration ihrer damals noch nicht durchgehend farbig gedruckten Reiseführer. In Wettenberg ist eine Auswahl als Leihgabe zu sehen.

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